Plünnenball

Tango und Täuschungsmanöver

Mit der Komödie „Plünnenball" feierte die Speeldeel am Sonnabend vor 300 Zuschauern die letzte Premiere dieser Theatersaison

 

Plünnenball

Erika Larssen, Felix Borchert

 

SCHLESWIG Die Ärzteschwemme bei der Speeldeel hält an. Drei Wochen nach dem Ende von „Mien Söhn, de Dokter" wartet auch die hintersinnige Komödie „Plünnenball" mit einem Arzt in weißem Kittel auf - scheinbar jedenfalls. Denn wie es bei einer Verkleidung so ist, steckt in dem Stück des plattdeutschen Ensembles mehr Schein als Sein.

Dass sich die zweimonatige Probezeit gelohnt hat, zeigt sich gleich zu Beginn der Premiere im ausverkauften Slesvighus am   Sonnabend - als sich die ungleichen Hamburger Schwestern Berta und Pauline Fehling zwischen Nähmaschine und Essensaufzug schwindelig tanzen. Die von Erika Larssen wunderbar forsch gespielte Berta übernimmt dabei nicht nur im Tango die Führung. Zurückhaltender agiert Waltraud Heutmann als Pauline, die sich aber bei jeder passenden Gelegenheit ins Fäustchen lacht.

Das schwesterliche Duo wird aufge mischt, durch Paulines Sohn Heinz-Werner, den Felix Borchert so in sich gekehrt und unsicher naiv spielt, dass er selbst im zu kurzen Arztkittel versinkt -und tatsächlich mehr vom Vertreter denn vom Assistenzarzt hat. Diesen Gegensatz zwischen vorgegaukelter Realität und Wahrheit verkörpert auch Grit Wilhelm, die als Strichermädchen Uschi vor dem Haus der Schwestern ihren Stammplatz hat. Statt in rotem Korsett und schwarzem Minirock wahrt sie vor ihren Eltern als Ursula in mausgrauem Kostüm den Schein einer bürgerlichen Existenz - die sie mit einem eigenen Hundesalon ja auch anstrebt.

Doch nicht nur das vermeintlich ungleiche Pärchen Uschi und Heinz-Werner gibt Berta Steilvorlagen für Lästerattacken („Een Assistenzarzt mit so eener, dat is ja kriminell"). Auch der von Claus Schimmer sehr überzeugend als sensiblen Tresorknacker dargestellte Hermann bekommt sein Fett weg. Dabei will der doch eigentlich nur Spargel anbauen. Doch für ein Haus mit Garten braucht er das Geld, das er aus seinem letzten Bruch vor acht Jahren in einem Koffer bei den Schwestern abgestellt hat. Allerdings muss er schnell feststellen, dass ihm sein einstiger Komplize Max (Gerhard Hoppmann) auf den Fersen ist und als alte Spürnase - als „Reisender in Souvenirs" verkauft er in Flaschen abgefüllte See- oder Alpenluft -dem Duft des Geldes wie ein Schatten folgt. Die spitzfindige Berta kommt allerdings schnell hinter sein „Geschäftsgeheimnis": Das Wichtigste sind die Etiketten. Gerhard Hoppmann mimt den tödlich beleidigten Max so gekonnt, dass man ihm den emotionalen Ausbruch einfach glauben möchte, der aus ihm losbricht, nachdem Hermann ihn mit Geld loswerden will: „Ick wüll nich. Bün ick een Lump, de sick vun enen Fründ Geld schenken loet ?" Pauline sinniert, er sei ein Schmetterling - „oder blot een anplünnte Mott". Und ausgerechnet Berta lässt sich von diesem charmanten Luftikus Max um den Finger wickeln und wird weich wie Butter. Um ihm eine letzte Geschäftsreise zu ermöglichen, gibt sie ihm Bares und sitzt am Ende nicht in Marbella, sondern mit einem Verlobungsring vom Flohmarkt bei Pauline und Hermann. Denn viel zu spät merkt der; „De hett mienen Kuffer!" Das Publikum hingegen ist begeistert.

 

Maike Krabbenhöft

Schleswiger Nachrichten 31.3.2014